Krippen

Die Tradition, eine Krippe aufzustellen, lässt sich bis in das Mittelalter zurückverfolgen. Mit einer Krippe wollte man das Wunder der Geburt Jesu besonders realistisch und naturalistisch darstellen. Da es ja auch noch keinen Weihnachtsbaum gab, an dem man sich austoben konnte, wurden die Krippen im öffentlichen Raum von Mal zu Mal aufwendiger gestaltet. Das ging so weit, dass die Krippen mit immer komplizierteren Mechanismen ausgestattet wurden. Es wurden zahlreiche Überraschungen eingebaut, die die Besucher erstaunen und unterhalten sollten.

Im Jahr 1716 wurde in einer Wiener Zeitung von einer Krippe berichtet, bei der es nicht nur einen Fischteich gab, sondern zusätzlich hochspringende Wasserspiele und Engel, die „aus dem Gewölk“ herabflogen. Selbst die Geheimnisse der Kindheit Jesu sind dort durch Schattenspiele vorgespielt worden. Eine große Anstrengung wurde hier offensichtlich unternommen, um die Bevölkerung zu unterhalten. Man könnte annehmen, dass sich diese Krippe deshalb sicherlich auf einem weltlichen Platz befunden hat – doch das ist falsch: Sie befand sich direkt bei der Pfarrkirche zu St. Anna! Die geistlichen Hirten versuchten, ihre Schäfchen zu unterhalten, um ihnen so einerseits Wissen zu vermitteln und sie andererseits in die Gotteshäuser zu bekommen.

Allmählich trennte sich dieses Spektakel natürlich von der Kirche, vor allem, als 1762 Maria Theresia das Aufstellen von Krippen in Kirchen verbat. Dadurch verstärkte sich nur der Trend, Krippen im hauseigenen Salon aufzustellen und auch diese immer schöner auszustaffieren. Die Hauskrippen nahmen bald mitunter Größen von stattlichen zwei Metern ein!

Um die passende Krippe für sein Heim zu finden, gab es deshalb bis ins 19. Jahrhundert einen eigenen Krippenmarkt am Graben. Dieser Markt wurde dann allerdings immer mehr von einem Christbaummarkt abgelöst.

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Nativity Sets

The custom of installing a nativity set stems from the Middle Ages. A nativity set was supposed to be a realistic depiction of the miraculous birth of Jesus. As there were no Christmas trees yet on which Catholics could vent their creative energy they created more and more opulent nativity sets instead. Public sets started to incorporate complicated mechanisms to surprise and entertain the audience.

In 1716, a Viennese newspaper reported on an installation of the Nativity that not only included a little pond with fishes but also trick fountains and angels that descended from the heavens. Even the secrets of Christ’s childhood were portrayed using shadow play. Obviously, the creators of this nativity set did their best to entertain the public. One might assume that this set was located in the middle of a market or some other secular space – but this is wrong: it was just next to the parish church of St. Anna! Obviously the clergy chose to entertain their flock in order to both convey the Christian doctrine as well as draw their “audience” into the chapel.

With time, this secular spectacle of course began to separate from its clerical origins, especially when Maria Theresia, in 1762, prohibited the installation of nativity sets in churches. This prohibition strengthened the trend of erecting sets in a family’s own home and to decorate them more and more ornately. These nativity sets soon reached lengths of impressive two metres!

To find the ideal set for one’s home, the market of nativity sets at the Graben was the right address to stop by at. During the 19th century however this market was substituted for a Christmas tree market.

Text aus der Publikation: Wenn's in Wien weihnachtet von Christine Schäffer